Maskenball statt Maskenpflicht

Es passierte auf dem Weg zum Einkaufen. Ich lies meiner Imagination freien Lauf. Nach und nach stellte ich mir vor, wie ich Ende des 19. Jahrhunderts durch Paris laufe. In Richtung Edeka bildete ich mir ein, dass ich zu einem der Opernhäuser stolziere. Die Opera Garnier (Palais Garnier) ist Schauplatz der Geschichte über das Phantom der Oper. Die finstere Erscheinung, eine entstellte Gestalt, das vernarbte Gesicht, bedeckt mit einer Maske.

Im zweiten Akt des Musicals wird man als Zuschauer/-in Teil der bekannten Szene – Der Maskenball – . Die Kostüme schillern und alle tanzen. Ob schwarz oder weiß, glitzernd oder matt, die Augen oder das ganze Gesicht bedeckend..die Masken symbolisieren die Festlichkeit und die Magie. Plötzlich starren mich auf dem Gehsteig beim Vorbeilaufen Porzellangesichter mit fragenden, erwartungsvollen Augen an.

Photo by Llanydd Lloyd on Unsplash

Die venezianischen Malereien beginnen sich zu bewegen, sie tanzen..verschwimmen allmählich. Ich blinzle und schließe kurz die Augen. Dann blicke ich in die Schaufensterscheibe neben mir. Ich trage kein Ballkleid und die Häuser, die ich durch die Spiegelung hinter mir erblicke, sehen so gar nicht nach Paris aus. Ich stehe vor dem Einkaufsladen, setze meine Maske auf und laufe hinein.  Das Orchester beginnt zu spielen und die Overture von Andrew Lloyd Webber ertönt in meinen Ohren.

So wird das Einkaufen zu einem Fest der Sinne.

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